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Erscheinungsdatum: 14. Mai 2026 | Kategorie: Ratgeber | Standort: Hamburg
Autismus ist längst kein Nischenthema mehr. Die öffentliche Aufmerksamkeit für das Autismus-Spektrum ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen – in sozialen Medien, in der Medizin und im gesellschaftlichen Diskurs. Doch woran liegt das? „Wir sehen aktuell eine deutlich gesteigerte Awareness für Neurodiversität“, erklärt Andreas Brandstetter, Chefarzt der calm Tagesklinik Hamburg. „Soziale Netzwerke spielen dabei eine große Rolle. Neurodiverse Menschen können sich heute viel sichtbarer zeigen – und stoßen auf mehr Verständnis als noch vor einigen Jahren.“
Parallel dazu steigen die Diagnoseraten. Ein Teil davon lässt sich durch intensivere Testung erklären – aber nicht vollständig. „Mehr Diagnostik ist ein wichtiger Faktor, aber er erklärt den Anstieg nicht allein“, so Brandstetter. „Wir diskutieren auch mögliche Umweltfaktoren – wobei die Datenlage hier noch nicht eindeutig ist.“
Klar ist: Autismus bewegt sich im Spannungsfeld zwischen medizinischer Einordnung und gesellschaftlicher Akzeptanz. „Es ist wichtig, Autismus als Erkrankung anzuerkennen, weil viele Betroffene Unterstützung benötigen – etwa durch Eingliederungshilfe oder Schulbegleitung“, sagt Brandstetter. „Gleichzeitig dürfen wir Menschen im Spektrum nicht stigmatisieren. Es geht um ein differenziertes Verständnis.“
Schwere Formen von Autismus werden meist bereits im Kindesalter diagnostiziert. Erwachsene ohne Diagnose bewegen sich daher häufig im milderen Spektrum – und haben im Laufe ihres Lebens Strategien entwickelt, um ihren Alltag zu bewältigen. „Viele erwachsene Patientinnen und Patienten haben über Jahre hinweg Coping-Strategien entwickelt“, erklärt Brandstetter. „Dadurch fallen sie im Alltag oft nicht sofort auf – obwohl sie große innere Anstrengung leisten.“
Hinzu kommt: Die Symptomatik wird nicht immer erkannt. „Wir sehen häufig, dass Betroffene eine Diagnose nach der anderen erhalten, ohne dass das eigentliche Thema erkannt wird“, so Brandstetter. „Das führt dazu, dass sie zwar punktuell Hilfe bekommen – aber keine nachhaltige Verbesserung erleben.“
Zu den häufigsten Anzeichen von Autismus zählen:
„Entscheidend ist nicht, ob jemand bestimmte Fähigkeiten hat, sondern wie“, betont Brandstetter. „Viele Dinge können kognitiv erlernt werden. Bei Menschen im Autismus-Spektrum fehlt jedoch oft die intuitive Ebene.“
Gerade im Erwachsenenalter ist eine fundierte Diagnostik entscheidend. Viele Betroffene haben über Jahre das Gefühl, „anders“ oder „nicht richtig“ zu sein. „Die Diagnose ist für viele zunächst eine enorme Entlastung“, sagt Brandstetter. „Sie verstehen plötzlich: Es liegt nicht an meiner Persönlichkeit – mein Gehirn funktioniert einfach anders.“
Doch dieser Prozess hat auch eine zweite Seite: „Nach einigen Monaten erleben wir bei manchen Patientinnen und Patienten eine schwierige Phase“, so Brandstetter. „Die Erkenntnis, dass bestimmte Herausforderungen bleiben, kann belastend sein. Umso wichtiger ist eine gute therapeutische Begleitung.“
Oft sind es einfache Maßnahmen, die den Alltag deutlich erleichtern.
„Hilfsmittel wie Noise-Cancelling-Kopfhörer oder Sonnenbrillen sind für viele echte Gamechanger“, erklärt Brandstetter. „Während neurotypische Gehirne Reize automatisch filtern, nehmen Menschen im Autismus-Spektrum häufig alles gleichzeitig und gleich intensiv wahr.“
„Wenn Sie den Verdacht haben, sich im Autismus-Spektrum zu befinden, suchen Sie das Gespräch“, rät Brandstetter. „Ein unverbindliches Erstgespräch kann ein wichtiger erster Schritt sein, um Klarheit zu gewinnen und passende Unterstützung zu finden.“
calm Tagesklinik Hamburg
Caffamacherreihe 5
20355 Hamburg
T: +49 4079 7249 8100
M: aufnahme-ham[at]calm-tagesklinik.de
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