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Die Bedeutung von Schlaf für Diagnostik und Therapie

Kategorie: News | Standort: Standortübergreifend

 

(Veröffentlicht: 01.10.2026) Was passiert eigentlich, wenn wir schlafen? Und welche Bedeutung hat Schlaf für unsere psychische Gesundheit? Mit diesen Fragen haben wir uns unter anderem Ende September beschäftigt.

Als Referent hat Dr. med. Oliver Lauben, Psychiater und Chefarzt der calm Tagesklinik Frankfurt, während des Webinars „Die Nacht entscheidet mit: Schlaf als wirksame Therapie“ Ende September einen Einblick in die aktuellen Zusammenhänge zwischen Schlaf, psychischer Gesundheit und therapeutischer Behandlung gegeben. Dabei ist deutlich geworden: Schlaf ist keineswegs eine passive Unterbrechung des Tages, sondern ein komplexer Prozess, der zahlreiche körperliche und psychische Funktionen beeinflusst.

Schlaf ist ein aktiver biologischer Prozess

Während wir schlafen, arbeitet unser Körper keineswegs im Ruhemodus. Der Schlaf unterliegt einer komplexen Regulation, an der unter anderem der zirkadiane Rhythmus und der sogenannte homöostatische Schlafdruck beteiligt sind.

Der zirkadiane Rhythmus steuert dabei unsere innere zeitliche Organisation und beeinflusst unter anderem, wann wir müde werden und wann wir wach sind. Gleichzeitig baut sich während der Wachzeit ein zunehmender biologischer Schlafdruck auf, der durch Schlaf wieder abgebaut wird.

Auch die Struktur des Schlafs ist dynamisch: Die verschiedenen Schlafstadien wechseln sich im Verlauf der Nacht in einer charakteristischen Architektur ab. Dabei verändert sich der Schlaf nicht nur innerhalb einer einzelnen Nacht, sondern auch im Laufe des Lebens.

Wenn subjektives Erleben und objektive Messung auseinandergehen

Ein weiterer Schwerpunkt des Webinars war die Frage, was wir eigentlich meinen, wenn wir von Schlaf sprechen und wie gut sich Schlaf überhaupt messen lässt.

Es wurde gezeigt, dass das subjektive Erleben einer Nacht und die Ergebnisse einer Polysomnographie häufig voneinander abweichen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Menschen ihren Schlaf „falsch“ wahrnehmen. Auch die Polysomnographie bildet Schlaf nur aus einer bestimmten Perspektive ab: Sie erfasst verschiedene körperliche und neurophysiologische Signale und teilt diese nach festgelegten Kriterien in Schlafstadien ein.

Neuere Erkenntnisse zeigen, dass Schlaf vermutlich weniger global zu verstehen ist. Verschiedene Bereiche des Gehirns können sich zeitgleich in unterschiedlich starken schlaf- oder wachähnliche Aktivitätsmustern befinden.

Für das Verständnis der insomnischen Störung ist deshalb entscheidend, Schlaferleben und physiologische Messung nicht gegeneinander auszuspielen. Beide liefern unterschiedliche Informationen über einen komplexen biologischen Zustand.

Insomnie als eigenständige Erkrankung

Auch aus diagnostischer Sicht hat sich der Blick auf Schlafstörungen weiterentwickelt. Chronische Insomnie wird in der ICD-11 stärker als eigenständige Störung betrachtet. Schlafprobleme stehen damit nicht zwangsläufig nur im Zusammenhang mit einer anderen psychischen oder körperlichen Erkrankung, sondern können selbst behandlungsbedürftig sein.

Diese Perspektive ist insbesondere deshalb relevant, weil Schlaf und psychische Gesundheit eng miteinander verbunden sind. Schlafprobleme können psychische Beschwerden begleiten, verstärken oder aufrechterhalten; gleichzeitig können psychische Belastungen den Schlaf erheblich beeinträchtigen.

Eine differenzierte Diagnostik hilft deshalb dabei, die individuellen Zusammenhänge zu verstehen und die Behandlung gezielt auszurichten.

Schlaf stärker in die Behandlung einbeziehen

Genau dieser ganzheitliche Blick ist auch für die therapeutische Arbeit bei calm zentral. Beschwerden werden nicht isoliert betrachtet. Stattdessen geht es darum, Zusammenhänge zwischen psychischer Verfassung, körperlichen Faktoren, Verhalten und Alltag zu erkennen und gemeinsam geeignete Behandlungsschritte zu entwickeln.

Das Webinar hat damit einen wichtigen Aspekt psychischer Gesundheit in den Mittelpunkt gerückt: Auch während wir schlafen, passiert etwas. Schlaf ist damit kein passiver Zustand. Das Gehirn verändert nur seine Art zu arbeiten.

Wir bedanken uns bei Dr. med. Oliver Lauben für den informativen und praxisnahen Einblick in die Bedeutung des Schlafs für Diagnostik und Therapie.

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Portraitfoto von Dr. med. Oliver Lauben, Chefarzt der calm Tagesklinik Frankfurt

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