Julia Haynes – Fachärztin calm Ambulanz Düsseldorf

Steckbrief

Julia Haynes

Name: Julia Haynes
Position: Fachärztin in der Ambulanz
Standort: Düsseldorf
Fachrichtung: Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
Spezialgebiet: Schematherapeutisch und psychodynamisch orientierte Psychotherapie sowie Psychopharmakotherapie
Leistungen: Ausführliche Diagnostik, psychiatrische Sprechstunde, medikamentöse Behandlung, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

„Therapie ist für mich auch ein Prozess von Reifung und Entwicklung.“

Portraitfoto von Julia Haynes, Oberärztin der calm Tagesklinik Düsseldorf

Kategorie: News | Standort: Düsseldorf

 

(Veröffentlicht: 21.09.2026)

Was bedeutet gute psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung für Sie?

Besonders erfüllend finde ich es, wenn Menschen durch eine Behandlung eine neue Weite und Freiheit in ihrem Leben gewinnen. Wenn sie sich selbst besser verstehen und dadurch zunehmend unterscheiden können: Was gehört wirklich zu mir? Was habe ich gelernt, um mit schwierigen Erfahrungen zurechtzukommen? Und was davon brauche ich heute vielleicht nicht mehr?

Oft können wir uns nur schwer vorstellen, wie sich etwas anfühlt, das wir noch nicht erfahren haben. Ein Mensch, der beispielsweise nie erlebt hat, dass seine Bedürfnisse in einer Beziehung sicher Platz haben, kann nicht allein durch Einsicht lernen, darauf zu vertrauen. Deshalb verstehe ich eine Therapie nicht nur als das Vermitteln von Wissen oder das Verändern von Verhalten. Therapie ist für mich auch ein Prozess von Reifung und Entwicklung – und von neuen Erfahrungen in Beziehung.

Besonders schön finde ich es, wenn daraus mit der Zeit mehr inneres Vertrauen entsteht: die Freiheit, das eigene Leben nicht mehr nur danach auszurichten, Erwartungen zu erfüllen, sondern zunehmend danach, was wirklich zu einem selbst passt.

Was ist für Sie der Kern einer guten Patienten-Arzt-Beziehung?

Die Beziehung zwischen Patientin oder Patient und Ärztin bzw. Arzt ist für mich der Kern jeder Behandlung. Am Anfang steht für mich die Erfahrung von Sicherheit: Wie sehr kann ein Mensch erleben, dass er gesehen und verstanden wird, ohne sich rechtfertigen oder anpassen zu müssen?

„Ich darf hier so sein, wie ich bin.“ Dieser Satz ist für mich von großer Bedeutung.

Denn erst wenn ein Mensch sich ausreichend sicher fühlt, kann er beginnen, auch das anzuschauen, was schmerzhaft oder beschämend ist: Ängste, Wut, Verletzlichkeit, eigene Bedürfnisse oder wiederkehrende Beziehungsmuster. Dabei bedeutet Sicherheit für mich nicht, dass alles bestätigt oder unkritisch angenommen wird. Eine gute therapeutische Beziehung braucht auch die Möglichkeit, ehrlich hinzuschauen, Zusammenhänge zu benennen und manchmal Dinge auszusprechen, die zunächst unangenehm sind. Gerade diese Verbindung aus  Sicherheit, Wertschätzung und ehrlicher Auseinandersetzung empfinde ich als die Grundlage für wirkliche Veränderung.

Mit welchem Anliegen kommen Menschen besonders häufig in die Behandlung?

Viele Menschen kommen mit dem Wunsch, wieder mehr Sicherheit und Kontrolle über ihr Leben zu gewinnen. Dahinter steht häufig der Versuch, möglichst viele Unsicherheiten zu vermeiden: Entscheidungen abzusichern, Situationen vorauszuplanen oder alle möglichen Entwicklungen gedanklich durchzuspielen.

Das ist zunächst eine sehr verständliche Strategie. Kontrolle kann Angst reduzieren und ein Gefühl von Vorhersagbarkeit vermitteln. Schwierig wird es dort, wo wir uns nur noch sicher fühlen können, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Psychische Sicherheit bedeutet für mich deshalb nicht, dass nichts Unvorhergesehenes geschieht. Sie bedeutet, darauf vertrauen zu können, dass ich mit dem umgehen kann, was geschieht. Das ist wahre Freiheit.

Psychotherapie kann dann weniger darin bestehen, das Leben kontrollierbarer zu machen, sondern vielmehr darin, die eigene innere Sicherheit zu stärken – sodass Unsicherheit ausgehalten werden kann, ohne dass sie unmittelbar bedrohlich oder überfordernd wirkt.

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